Marmor und Kalkstein – was ist der Unterschied?
Wer sich intensiver mit Natursteinen beschäftigt, wird nicht nur sehr bald darauf stoßen, dass sich ihre Bestandteile immer wiederholen, sondern auch hin und wieder auf Grenzfälle treffen. Dazu zählt die Frage, wann es sich bei einem Naturstein um Marmor und wann um Kalkstein handelt. Die Antwort ist einfach: Marmor ist härter und dichter als Kalkstein. Beide Gesteinsarten sind miteinander verwandt.
Marmor wird als Umwandlungsgestein bezeichnet (griechisch: Metamorphose). Ursprünglich sei er gewöhnlicher dichter Kalkstein gewesen, heißt es im Fachbuch “Die Entwicklungsgeschichte der Erde”. Offensichtlich gibt es immer wieder Mißverständnisse, weil nach Angaben der Fachleute auch dichte Kalksteine, die farbig, schleif- und polierfähig seien, als Marmor bezeichnet werden. (S. 624).
Dieser wunderschöne Marmor heisst Nero Marquina.
Die Wissenschaftler unterscheiden fünf verschiedene Arten von Kalksteinen: (S. 613):
- dichter Kalkstein: mit reichlich Fossilresten, Fossilkalke enthielten mindestens 50 Prozent an zerbrochenen Kalkskeletten (Muschelkalk, Korallenkalk, Riffkalk).
- Poröser Kalkstein: Kalksinter, Süßwasserkalk, aus Quellen oder fließenden Gewässern, z.B. Kalktuff, Travertin.
- Oolithischer Kalkstein (griechisch: Eierstein): aus einer übersättigten Lösung wird Kalk oder Eisen an winzigen Keimen abgeschieden (S. 631).
- Kreide: weiß, locker, feinkörnig, aus tierischen Resten und anorganischen Kalkschlämmen hervorgegangen.
- Marmor
Robert Knobel vom Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz-Universität Hannover benennt als entscheidenden Unterschied zwischen Marmor und Kalkstein die Härte und Dichte des Gesteins, die bei Marmor höher sei. “Chemisch ist es dasselbe”, fügt er hinzu, “aber Marmor hat eine andere Kristallstruktur”. Nur, wer es ganz genau nehmen will, wird feststellen, dass Kalkstein aus Calcit und Aragonit besteht, Marmor neben Calcit bei einigen Arten aus Dolomit (das zusätzlich Magnesium enthält).
Hinzu käme, dass Marmor beständiger gegen Verwitterung sei. , sagt Knobel. Damit sind die praktischen Auswirkungen klar benannt: Wer hartes, dichtes und verwitterungsbeständigen Naturstein benötigt, ist mit Marmor gut bedient.
Knobel stellt noch einen weiteren Unterschied heraus: Marmor enthält keine Fossilien – also abgestorbene Skelette. Der Begriff kristallin hat mit dem Entstehungsprozess zu tun: Die ursprünglich dichte, auch unregelmäßig ausgebildete Kalksteinstruktur werde in eine gleichmäßige Struktur umgewandelt.
Deutlicher werden die Unterschiede noch beim Blick auf Zahlen. Das Fraunhofer Informationszentrum Raum und Bau kann mit seiner baufachinformation.de helfen. Zwei Beispiele: Der Weinberg-Marmor hat den Angaben zufolge eine Dichte von 2,7 Kubikzentimeter pro Gramm (roh). Wichtig ist für Natursteine die Wasseraufnahme, sie liegt unter Atmosphärendruck bei 0,13 Gewichtsprozent; die Porösität beträgt 0,50 Vol.%. Im Unterschied dazu werden für Kelheimer Kalkstein 2,56 Kubikzentimeter Dichte je Gramm (roh) genannt – also niedriger. Die Wasseraufnahme liegt mit 1,05 Gew.% höher, ebenso die Porösität mit 5,56 Vol.%.
Fazit: Marmor ist ein Kalkstein, aber nicht jeder Kalkstein ist ein Marmor.


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Kommentare
2 Kommentare
Die Angaben für die Dichte sind verkehrt. Die Einheit ist Gramm pro Kubikzentimeter. Die Werte stimmen vermutlich.
hey wie gehts! wie gefällt euch meine neue single? liebe grüßle! tina turner
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