Forscher finden neue Schutzschicht gegen Graffiti
So sieht die Fassade des Rathauses von Waldkirch (Breisgau) immer wieder aus. Ob Kunst oder nicht: das Beseitigen ist heikel. Forscher haben jetzt eine neue Substanz für besseren Schutz entwickelt.
Die Fassade des Waldkircher Rathauses sieht gequält aus. Immer wieder müssen Arbeiter der Verwaltung die mit Naturstein verblendete Außenhaut des historischen Gebäudes reinigen, weil sie mit Graffitis verunziert wird. Den Waldkirchern und anderen Besitzern verunstalteter Naturstein-Fassaden kann jetzt, wie es scheint, geholfen werden: Fachleute der Fraunhofer-Gesellschaft haben zusammen mit polnischen Kollegen eine atmungsaktive Schutzschicht entwickelt.
Graffiti dringt, wie erläutert wird, tief in die Poren von Natursteinen oder Ziegeln ein. Mit Hochdruckreinigern sei die Farbe nicht zu entfernen, oft helfe nur, den äußeren Teil der Bausubstanz wegzuätzen. Bislang habe man versucht, Fassaden mit einem so genannten Polymerlack gegen Graffiti zu schützen – verbunden mit dem Nachteil, dass das Gebäude nicht mehr atmen könne und damit Schimmel und Versalzung drohten. Außerdem müsse sich diese Schicht bei denkmalgeschützten Gebäuden wieder entfernen lassen.
Dieser “Tag” verziert die Fassade des Stadt-Kaufhauses, nur wenige Schritte vom Rathaus in Waldkirch entfernt.
Das Fraunhofer-Institut in Potsdam-Golm hat jetzt mit Partnern in Gliwice (Polen) einen neuartigen Polymerfilm entwickelt. Diese verschließe die Poren, so dass Graffitifarbe nicht eindringe. Wasserdampf könne dennoch gut aus dem Gebäude entweichen. Die Polymerschicht habe Minilücken und lasse Wasserdampf durch, Regenwasser pralle aber ab. Müsse die Schicht entfernt werden, behandele man sie mit einer speziellen Lake – und sie lasse sich dann komplett abwischen. Noch wichtiger: Erste Tests haben den Angaben zufolge gezeigt, dass Graffitis von so geschützten Fassaden komplett entfernen ließen.
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