Naturstein als Fremdenverkehrs-Objekt
Zugegeben, das ist wohl kein Carrara. Etwas über die Schönheit des gesteins sagt dieses Bild von einem südbadischen Friedhof schon.
Natürlich, wer an die Toskana denkt, hat Wein im Sinn. Eine zuweilen leicht morbide Landschaft vielleicht auch, gewiss die Schönheit von Siena mit seiner Piazza del Campo, deren Grundriss einer Muschel nachempfunden ist.
Aber es gibt noch mehr dort zu sehen: Naturstein zum Beispiel. In einem Tal der Apuanischen Alpen östlich von La Spezia ist die Quelle des „weißen Golds“: Carrara-Marmor. Längst machen Touristik-Websites auf die über 400 (!) Marmor-Steinbrüche aufmerksam. Wer sich dorthin wagt, sollte aufpassen: Die schweren Laster, die Marmor talwärts fahren, sollen abenteuerlich sein – manchmal jedenfalls.
Carrara kommt aus den Tälern von Ravaccione, Colonata und Fantiscritti – der kostbare „marmor stattuario“ aus Piastre. Die ersten Carrara-Steinbrüche sollen vor 2.000 Jahren erschlossen worden sein. Michelangelo bezog die Blöcke für seine Plastiken von hierher. Vor den Lkws wurden Schlitten, die auf eingeseiften Holzbahnen bergab rutschten, für den Steintransport benutzt.
Heute sind für Carrara mehr als 50 Handelsnamen bekannt. Diese Marmore sind nicht nur weiß – die Schattierungen beginnen dunkel und gehen bis ins rötlich-gelbe. Klangvoll sind die Namen sowieso: Carrara Venatino ist noch eher schlicht, Fior di Pesca (Pfirsichblüte) oder Verde Cipollino Apuano (Zwiebelmarmor) klingen schon fast musikalisch.
Bliebe noch daran zu erinnern, dass Marmor ein Kalkstein ist. Er darf nicht mit Säure (in Renigern, in anderen Flüssigkeiten) in Kontakt kommen. Wer darauf achtet, wird anhaltend Freude an seinem Carrara – oder einem anderen Marmor – haben. Die Zeiten, da solcher Natursteinen Königshäusern oder Künstlern vorbehalten bleibt, sind vorbei.
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