Allgemein 16. Februar 2010

Noch 45 Steinbrüche in Baden-Württemberg

th freiburg sandstein

Die Fassade des Freiburger Stadttheaters ist aus Sandstein errichtet.

Wer nach Daten und Fakten über den Natursteinabbau in Baden-Württemberg sucht, landet sehr schnell auf den Websites des Regierungspräsidiums Freiburg. Das dort angesiedelte Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau versammelt eine Menge Wissen über Natursteine in Baden-Württemberg. Der interessierte Leser erfährt unter anderem, dass in Baden-Württemberg derzeit 45 Steinbrüche betrieben werden. Gefördert würden jährlich 103.000 Tonnen in Rohblöcken. Im Jahr 2009 hätten elf Betriebe gelegentlich aus geeigneten Lagerstätten auch Rohblöcke produziert. Wer sich tiefer in geologische Zusammenhänge einlesen will, findet auf den Websites des Regierungspräsidiums (RP) dazu reichlich Gelegenheit.

Fasst man zusammen, sind vor allem diese Natursteinarten wichtig:
- Sandstein
- Kalkstein
- Schwarzwälder Granit und Quarzporphyre (Verkehrswegebau)
Unzählige, wichtige Bauten sind mit Sandsteinen aus der Region entstanden. Die Münster in Basel, Freiburg und Straßburg wurden damit errichtet. Grau-gelblicher, teilweise auch gelb-rot geflammter oder braun geaderter Schilfsandstein prägt das Kloster Maulbronn (UNESCO-Weltkulturerbe). Mittel- bis grobkörniger, gelblich-weißer Stubensandstein fand am Kölner Dom, dem Schloss Neuschwanstein und dem Neuen Rathaus Stuttgart Verwendung. Auch die Marienkirche in Reutlingen, die Stiftskirche in Tübingen, das Ulmer Münster und die Empfangs- und Ausgangshalle des Stuttgarter Hauptbahnhofs (in seiner jetzigen Gestalt) – schließlich auch Neckarbrücken in Horb, Tübingen und Plochingen, wurden damit gebaut. Berühmt sind auch der aus Schwaben stammende Travertin und die grünlich-grauen Feinsandsteine – letztere fanden in den Klosteranlagen der Insel Reichenau im Bodensee (ebenfalls ein UNESCO-Weltkulturerbe) Verwendung. Einige Steinsorten werden bis heute, andere inzwischen nicht mehr abgebaut.
Die RP-Fachleute verweisen auf einen ebenfalls online verfügbaren Beitrag ihres Kollegen Wolfgang Werner. Der berichtet, dass es an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert 1.600 Steinbrüche im Land gegeben habe, die ausschließlich oder zum größten Teil Naturwerksteine produzierten. Die beiden Weltkriege brachten starke Einbrüche, nach 1945 seien Beton, Kunststein und grobkeramische Baustoffe billiger zu beziehen gewesen.

Seit 1986 werden in Baden-Württemberg alle „Gewinnungsstellen“ systematisch erfasst. Noch zur Jahrtausendwende seien 61 Werksteinbrüche in Betrieb gewesen (14 davon nur gelegentlich). Laut Werner sank die Zahl der Steinbrüche im letzten Jahrzehnt um 25 Prozent, die Rohförderung um mehr als 40 Prozent. Damit, so Werner, geht auch handwerkliches Wissen verloren: „Die Kunst der sorgsamen Gewinnung von Rohblöcken aus den wechselhaften Werksteinlagen wird nur noch von sehr wenigen Fachkräften beherrscht“.

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